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gezwitscherte Wahlprognosen

Dienstag, 01. September 2009

Moin,

am Wochenende konnte der gemeine Bürger Deutschlands ja erste richtige Ausläufer des Superwahljahres erleben und/oder bestaunen. Neben den Ergebnissen machte vor allem eine Entwicklung Schlagzeilen: Per Twitter wurden bereits anderthalb Stunden vor Schließung der Wahllokale Prognosen verbreitet, die erstaunlich nah an den ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF um 18 Uhr lagen (link). Die Ähnlichkeit ist wirklich frappierend! Nun häufen sich die Bedenken der Wahlforscher und die Beschwerden der Politiker (link). Zumal bereits bei der Wahl des Bundespräsidenten das Ergebnis bereits vorab durch Twitter veröffentlicht wurde (link). Mit dem Unterschied, dass die Wahl damals schon gelaufen war. Die Gefahr einer Beeinflussung der Wähler bei einer Wahl ist da natürlich um einiges höher. Doch woher können diese Hochrechnungen eigentlich kommen?

Die einzige logische Antwort auf diese Frage sind die sogenannten exit polls. Befragungen während der Wahl, im Englischen exit polls genannt, sind Umfragen, in denen Wähler am Abstimmungstag direkt nach Abgabe ihrer Stimme vor dem Wahllokal befragt werden – natürlich anonym. Diese Ergebnisse werden bereits am Nachmittag Politikern/Parteien zugespielt, damit diese ihre Statements vorbereiten können. Zum anderen haben ARD und ZDF dann um 18 Uhr die ersten Ergebnisse vorliegen. Wer einen Wahlabend lang schon einmal die Prognosen verfolgt hat, wird feststellen, dass die exit polls eine durchaus hohe Güte haben.

Nun scheinen Ergebnisse dieser Polls nach draußen gelangt zu sein, aber keiner will’s im Endeffekt gewesen sein:

“Die Zahlen sind vor fünf Uhr nur mir und dem ARD-Chefredakteur bekannt – und fünf Mitarbeitern bei Infratest dimap”, sagt Jörg Schönenborn, Chefredakteur des WDR und verantwortlich für die Wahlberichterstattung im Ersten. (…) Auch ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender bestritt, das Zahlen aus seinem Haus vorab bekannt wurden: “Wir haben unsere Zahlen gesichert.”

Im Grunde ist es ja auch egal! Die exit polls gehören bei solchen Sicherheitslücken einfach abgeschafft!

  • Ist es nicht egal, wenn bei einer Wahl, die über mindestens die kommenden vier Jahre unseres Landes entscheiden, erste Hochrechnungen erst gegen 19 oder 20 Uhr veröffentlicht werden?
  • Und warum brauchen Politiker unbedingt diese Daten, um sich ihre Statements zurechtzulegen? In den Wochen vor einer Wahl werden so viele repräsentative Umfragen getätigt, die im Endeffekt auch kaum von den Endergebnissen abweichen.
  • Wäre es nicht toll, abends um 20 Uhr die Tagesschau einzuschalten und dann die erste Hochrechnung anzusehen?

So long,
Arne